Dezentrales Geocaching?


Hier wie auch im Podcast der Doppel-O-Agenten wird laut über Alternativen zu den Datenbanken von Groundspeak und Opencaching nachgedacht. Über die Problematik von Opencaching ist anderswo genug geschrieben worden… gehen wir mal zu der Frage der Dezentralität:

Angedacht wird – wenn ich das richtig verstanden habe – eine Art crowd sourcing / cloud computing, über Vernetzung in Blogs sollen nur qualitativ hochwertige Caches gesammelt und auch / nur im Blog der Owner veröffentlicht werden, und wenn ich das richtig verstehe, auch in deren Blogs gelogt werden.

Ich kann die Hintergründe, und auch die Frustrationen am bestehenden System, durchaus nachvollziehen. Geocaching so auf ein privates Peer-Netzwerk umzulagern halte ich jedoch nicht für praktikabel (und das nicht nur weil, wie Oschn zu Recht anmerkt, über kurz oder lang sowieso wieder Listen entstehen werden von solchen Caches).

Natürlich kann sich ein eingeschworener Trupp von Leuten, die untereinander Empfehlungen tauschen, regional zu einem Hobby wie Geocaching verabreden, auch ohne dass man dafür die Datenbanken bei geocaching.com braucht – das ist unbestritten. Aber ist das praktikabel?

Für mich wäre so etwas das Ende von dem, was mir die Freude beim Geocachen bereitet: irgendwo hin zu fahren und mir bei geocaching.com ein paar Caches zu suchen und vor Ort Dinge zu entdecken die ich ohne Geocaching nie gesehen hätte, Dinge die mir Insider vor Ort dadurch zeigen dass sie einen Cache legen. Denn ich habe effektiv weder die Zeit noch die Lust, mir in einer Endloskette von Blogs Caches zusammensuchen zu müssen, oder bestimmte Dinge nicht zu sehen, einfach weil der belgische Cacher seine Caches nur auf seinem Blog in Niederländisch postet, der Multi-Leger in Bayern diese ganze Blogsache scheisse findet und Listings nur handausgedruckt bei Events rausgibt, oder bestimmte Leute beispielsweise irgendeinen Cachetype total doof finden und völlig ausblenden.

Für mich ist es gerade die Bandbreite und Vielfalt und Internationalität der “grossen” Lösung geocaching.com, die Cachen attraktiv und spannend macht. Die vereinsmeierische Kleinstaaterei eines inneren Zirkels von sich gegenseitig toll findenden Cachern halte ich, gelinde gesagt, für elitäres Geschwurbel, das unterm Strich nur zu den üblichen Zackereien führen wird wie sie in jedem Forum vorkommen, zu Kommentarschlachten, gegenseitigem Sichniedermachen, Zersplitterung… bei Groundspeak kann mir das aufgrund der reinen Menge an Cachern schon egal sein, in einem kleinen Zirkel versaut man sich erfahrungsgemäss schnell mit solchen privaten Animositäten ein Hobby, das bis dato Riesenspaß machte.

Auf der anderen Seite: Wer lieber im engsten Kreise Ähnlichdenkender cacht, weil er Groundspeak despektierlich findet, der soll es halt machen. Es ist zwar schade, dass dann manche Caches der Community nicht mehr zur Verfügung stehen, aber so ist das nunmal. Ich möchte meine Caches immer noch gern zentral “finden” und auch loggen, aber das heisst ja nicht dass das alle so sehen müssen.

In einer Stadt wie Hamburg sehe ich ausserdem das Problem, dass sich ohne eine zentrale Lösung mehr und mehr Caches in die Quere kommen würden. Zwar kann das, wie gerade von Freunden bestätigt, auch bei geocaching.com passieren, besonders weil die Regularien hinsichtlich korrekter Übermittlung von Finalkoords für Mysteries und Multis anscheinend nicht so zwingend genau umgesetzt werden wie wünschenswert (Owner fragt Kumpel, wie er denn in den PETling einen TB bekommen habe, Kumpel hat Regular an den Final Koords gefunden…), aber wenn ich an einige viel bedoste Ecken denke, dann würde ohne eine zentrale Kontrolle ganz schönes Chaos herrschen.

Ein weiterer Punkt – wenn man schon die Nichtaktualität z.B. bei Opencaching moniert – wer mal einen Blick in beliebige Blogs wirft, wird feststellen dass dort manchmal monate oder- jahrelang Inaktivität herrscht, und dass selbst in weithin bekannten Cacherblogs Caches in Listen und Artikeln stehen, die längst Geschichte sind.

Das Maintenance- und Archiv-System von geocaching.com ist alles andere als perfekt, aber es existiert. In Cache-Blogs muss ich mir dagegen solche Informationen ggf. mühsam erschliessen, indem ich andere Blogs lese (weil z.B. entsprechende Comments in einem verwaisten Blog gar nicht erst freigegeben werden). Ich möchte beim Geocachen in erster Linie Spaß haben, und nicht mir in einem Sherlock-Holmes-Prozess tagelag im Voraus einzelne Caches im Wortsinne ausknobeln müssen…

Ich weiss dass es Leute gibt, die mich jetzt als Kleingeist bezeichnen – have fun. Ich fände eine Lösung, die ohne den kommerziellen Druck von Groundspeak und die zunehmende Einflussnahme eines dominierenden Geräteherstellers auskommt, ehrlich toll. Und mit Werkzeugen wie git und eventuell loginpflichtigen Wikis oder ähnlichen Systemen liesse sich eine Menge auch anders abbilden. Aber solche Lösungen kosten Geld, und sei es nur für den Server, und Arbeitszeit von ein paar engagierten Nasen, die dann wieder der AvD sind. Und ohne Mapping-Tools und vernünftige Suchfunktionen halte ich Geocaching in einem Maßstab jenseits vom Geflügelzüchterverein Nordwest nicht für machbar, vor allem; für mich auch gar nicht für attraktiv.

Viel interessanter fände ich, wenn auch weiterhin Leute in Bookmarklisten bei geocaching.com, und gern auch auf privaten Blogs, Caches empfehlen, Listen von bemerkenswerten Caches führen, an denen man sich orientieren kann, darauf verlinken, über eigene Erfahrungen jenseits des Standard-Logs erzählen – das macht dann auch Lust sich diese Caches anzusehen statt yet another Autobahn-Micro.

Und nun dürft Ihr mich gern in den Kommentaren schlagen.

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  1. #1 von Petra aka Cascabel am 13. März 2010 - 07:00

    Ich unterschreibe deine Meinung sofort – ich sehe für dezentrales Geocaching auch keine Zukunft. OK, wir haben hier im Bayerischen Wald sicher auch ganz andere Strukturen als in Hamburg, hier kennt man viele Cacherkollegen und die Qualität der Caches ist meist hoch, keiner will sich blamieren ;-) Daher sind schludrig hingeworfene Dosen (noch?) eindeutig in der Minderzahl, oft muss man sich seine Punkte hart erwandern.

  2. #2 von Schrottie am 13. März 2010 - 09:27

    @Petra: “Punkte hart erwandern” – Also abgesehen davon das ich den Begriff “Punkt” für einen Geocache nicht wirklich fein finde, aber wie soll man sich etwas “hart erwandern”? Entweder man geht gern wandern, dann macht es Spaß und ist alles andere als hart oder man geht nicht gern wandern, dann es macht keinen Spaß und man lässt es eben sein. Wer nur scharf auf “Punkte” ist, der geht entlang der Autobahn Leitplanken abgrasen…

  3. #3 von Ishtar am 13. März 2010 - 09:31

    @ Schrottie
    ich weiss dass Petra gern und viel wandert. Aber es gibt eben schon Unterschiede in der Länge und den Terrainanforderungen – eine 6-h-Wanderung in Norddeutschland ist mit Berg erkraxeln auf den Höhen in Bayern nicht vergleichbar, und da ist das dann bisweilen auch bei Liebe zum Laufen “hart”, die Homezone sauber zu halten…

  4. #4 von MacKenzie am 13. März 2010 - 10:23

    Ich unterschreib das auch.
    Ich geh cachen weil das eine gute Art für mich ist meinen inneren Schweinehund zu überwinden. Ich kann mit Sachen wie Walking oder Wandern im herkömmlichen Sinn nichts anfangen. Wenn ich los gehe, dann brauche ich ein Ziel und ein Cache ist in dem Fall ein Ziel. Das letzte was ich brauche ist mich vorher stundenlang hinsetzen zu müssen und mir mühsam meine Ziele auszusuchen, vor allem wenn mir Gc.com mit GoogleMaps das herrlich serviert.

    Natürlich ärgert es mich auch wenn ich los laufe, dann mitten im Wald stehe mit zig Möglichkeiten und am Ende eine Filmdose in Händen halte, aber dann bin ich selber schuld: Schließlich ist die Größe des Behälters im Listing angegeben und wenn ich den trotzdem suche .. mein Pech. Alles was ich machen kann ist es beim Legen selber besser zu machen und solche Filmdose-im-Wald- Caches nicht zu suchen. Aber ich zähle eh nur zu den sporadisch am WE-Cachern und mit meinen nicht mal 200 Caches hab ich sicher auch gar kein Mitspracherecht unter all den Profis :p (und ja das war ein Scherz)

  5. #5 von Petra aka Cascabel am 13. März 2010 - 17:09

    @Schrottie, sorry, ich hätte die “Punkte” in Anführungszeichen setzen sollen, uns geht es nämlich wirklich nicht darum, an einem Tag möglichst viele von denselben zu ergattern. Ich ziehe jederzeit einen schön gemachten, auch sehr langen Multi (ich sag nur Freiburg – 47 Stationen) oder einen interessanten Tradi an schönem Platz vor, den ich mir erwandert habe – an so etwas erinnert man sich nämlich auch nach langer Zeit noch. Aber wie gesagt, wir sind hier verwöhnt, was die Qualität der Caches angeht, das merken wir bei Ausflügen immer wieder mal.

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