Archive for the ‘Veranstaltungen’ Category
Theaterabend: Callboys
Posted by: Ishtar in Hamburg, Veranstaltungen on Januar 7th, 2009
Gestern abend war ich mit einer Freundin im Theater – genauer im Theater in der Basilika, einer kleinen Bühne in Altona, wo ich schon einige Male war. Gegeben wurde eine Komödie von Katja Bernhard mit dem Titel “Callboys”.
Das Stück laut Programmbeschreibung:
Alex, Rainer und Christian teilen ein Schicksal: Sie sind alle drei völlig pleite. Um dem finanziellen Fiasko zu entgehen, kann nur noch ein großer Befreiungsschlag helfen. Als dann das attraktive Callgirl Manu auf der Bildfläche erscheint, ist die rettende Idee gefunden. Die drei gründen einen Begleitservice für Frauen. Doch plötzlich kommt die bange Frage auf: Was soll man bloß tun, wenn eine Frau auch Sex will? Kann man(n) auf Bestellung? Ist das nicht unmoralisch? Aber auf der anderen Seite: Besser Sex für Geld als kein Sex und kein Geld!
Genauer, Alex ist Klempner und ein Macho wie er im Buche steht und natürlich ist “Rohr verlegen” einer der Begriffe die er in mehr als nur einer Sprache beherrscht, Christian, der genau wie Alex immer noch darauf wartet dass Rainer ihn für Handwerkerarbeiten bezahlt, lebt mit seiner Mutter zusammen, und Rainer ist mehr oder weniger erfolgreicher Drehbuchautor – derzeit eher weniger, dazu steht seine Ehe – genau wie sein Konto – kurz vor dem Kollaps.
Die drei sehr ungleichen Genossen versuchen nun erst mal auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, was die Dienste eines prospektiven Callboys angeht, was zum Beispiel in aberwitzigen Strip-Einlagen oder dem Versuch zweier tänzerisch unbegabter Männer, einen Walzer zu tanzen, gipfelt – und in sehr viel Wort- und Situationskomik zwischen den drei Herren sowie einer professionellen Prostituierten.
Ich habe den Abend hindurch oft lachen müssen. Natürlich werden so ziemlich alle gängigen Klischees über Machos, Sex und den Kampf zwischen den Geschlechtern bemüht, aber dennoch kauft man Werner Bauer, Steffen Böye und Till Claro ihre Rollen ab.
An Glanzlichter vergangener Spielzeiten (wie “Ladies Night” und “Misery”) reicht “Callboys” leider nicht heran, dafür ist der Plot bisweilen zu flach und hat zu viele abrupte Sprünge und abstruse Wendungen. Aber für einen recht vergnüglichen Theaterabend taugt das Stück alle mal.
Der futurologische Kongress
Posted by: Ishtar in Hamburg, Veranstaltungen on November 24th, 2008
Dank eines Hinweises von Cem im Sprechblase-Blog haben wir uns gestern im Planetarium Hamburg eine Literaturlesung aus der Reihe “Sternentheater” angesehen. Gelesen wurde aus “Der futurologische Kongreß: Aus Ijon Tichys Erinnerungen” von Stanislaw Lem, vorgetragen haben Meike Harten und Georg Münzel vom Ensemble des Altonaer Theaters.
Auch wenn ich mit erheblich eingeschränktem Gehör (Grippe und verstopfte Ohren) ziemlich gehandicappt war, haben wir die Lesereise in die kristallenen, oft bitterbösen Gedankengebäude des polnischen Philosophen sehr genossen, die Textauswahl war brilliant.
Der achte futurologische Kongress zu Nounas in Costricana, an dem auch der weltberühmte Weltraumfahrer Ijon Tichy teilnimmt, steht unter keinem guten Stern. In den Straßen kämpft eine rücksichtslose Militärregierung mit Insurgenten, wobei auch chemische Kampfstoffe eingesetzt werden, sogenannte “Gutstoffe”, Benignatoren.
Der Vortrag der beiden Mimen dagegen schwankte in der Leistung ziemlich. Natürlich merkte man dass sie Profis sind, nur einmal haben sie sich bei den doch oft mit komplizierten Wortschöpfungen angereicherten Sätzen des Autors verhaspelt. Was allerdings die Intonation angeht, liess die Lesung bisweilen zu wünschen übrig – von sich geradezu monoton wiederholenden Satzmelodien mit Einschläferungsfaktor bis hin zu fein abgestimmten Interpretationen von Stimmungen reichte das Dargebotene. Ich bin nunmal gerade beim gelesenen Wort sehr audiophil und kritisch…
Die Stimmung unter der Sternenkuppel war sehr angenehm und entspannt, dazu trugen auch kurze “Sternenfahrten” mit der Technik der Planetariumsprojektoren zwischen den einzelnen Abschnitten bei.
Summa summarum hat die Lesung vor allem Lust drauf gemacht, mal wieder Lem aus dem Regal zu holen. Ich hätte mir allerdings Sprecher mit einem Tick mehr Begeisterung für das Vorgelesene gewünscht, dennoch: ein schöner Abend.
